Franz Gertsch (1930–2022)
102 - Maria mit Kindern, 1971
Dispersion auf ungrundiertem Halbleinen,
Museum Kurhaus Kleve, Dauerleihgabe von Maria und Franz Gertsch

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Ein überwältigendes Seherlebnis sind diese beiden monumentalen Bilder, je 4 mal 6 Meter gross! Es sind die beiden grössten Formate im Werk von Franz Gertsch.
Das Gemälde Maria mit Kindern steht hier dem Bild Medici gegenüber. Beide Bilder entstanden für seine erste grosse Einzelausstellung 1972 im Kunstmuseum Luzern. Der Leiter Jean-Christophe Ammann hatte Gertsch dazu eingeladen mit den Worten, es müsse «ein Delirium» werden.
Gertsch erinnert sich:
«Anfangs 1971 besichtigten Maria und ich die zu bespielenden Museumsräume. Oh Schreck, wie sollte ich da innert einem Jahr ein Delirium hinzaubern? Ich beschloss, es mit wenigen, monumentalen Formaten zu bewältigen. (…) Um (…) die Ausstellungsvision zu realisieren, brauchte es aber ein riesiges Atelier. Ich hatte Glück, unten an der Aare konnte ich in der alten Brauerei Gassner einen immensen Dachstock beziehen. Dann ging ich an die Arbeit.»
Beide Gemälde basieren auf Schnappschüssen, die Gertsch mit seiner Kleinbildkamera, einer Praktica, gemacht hatte. Die Vorlage zu Maria mit Kindern entstand im Sommer 1969 bei einem Picknick mit seiner Familie auf dem Chasseral im Berner Jura.
Kurz zuvor hatte Gertsch ein Erlebnis auf dem Monte Lema im Tessin, das ihm die Augen öffnete und zu seiner persönlichen Künstlerlegende wurde.
«Und auf diesem Berg habe ich gesagt: «Jetzt hab' ich's.» Ich stand auf dem Gipfel und dachte, die ganze Welt liegt vor mir. Ich kann alles machen. Es geht gar nicht mehr um mich: Ich bin nur noch das Werkzeug, das diese Bilder macht. Als ob ich vom Mars käme und einfach das und dieses sähe und alles malen könnte wie es ist. Ich sagte mir, (…) du musst (…) einfach die Vorlagen so nehmen, wie sie sind.»
«Es wurde (…) vor allem auch die Erfahrung für mich wichtig, dass ich mich durch das Medium der Fotografie (…) von einer allzu starken Emotionalität freimachen konnte. Ich konnte gleichsam die Verantwortlichkeit für die dargestellten Dinge ablegen.»
Danach war der Bann gebrochen. Gertsch hatte seine Form gefunden.
Er malt nach einem Diapositiv, das er auf das Format des riesigen Gemäldes vergrößert, alles mit der gleichen Sorgfalt: seine Frau Maria und die Kinder, die karierte Decke, die Gräser der Wiese – alles ist ohne Wertung gleich wichtig.
Kurze Zeit später gelingt ihm mit dem Bild Medici der internationale Durchbruch.