Franz Gertsch (1930–2022)
106 - Der Maler, 1966
Öl auf Leinwand,
Franz Gertsch AG

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«Zwischen 20 und 40 hatte ich gar keinen eigenen Stil, ich war auf der Suche. Klar war für mich nur, dass ich realistische Malerei machen wollte.»
... erklärte Franz Gertsch rückblickend. Das Gemälde Der Maler von 1966 zeigt diese Suche in selbstironischer Weise. Es ist eine Allegorie, ein Sinnbild der Malerei, mit vielen Anspielungen, die es zu enträtseln gilt.
Zum einem geht es um das klassische Thema Maler und Modell. Dabei betont Gertsch besonders das Motiv des Schattens. Er spielt damit auf die antike Legende von der Erfindung der Malerei durch einen Schattenriss an. Zu sehen sind die Silhouette seiner nackten Frau Maria und ihr Schatten an der Wand. Auch sein eigener Schatten erscheint dort gross, während er selbst verborgen hinter einem Vorhang sitzt. Dieser Vorhang wiederum ist eine Anspielung auf ein Trompe-l’oeil, eine Augentäuschung, die besonders in der niederländischen Malerei des 17. Jahrhunderts beliebt war. Auch das Blatt Papier an der Wand mit seinem gemalten Schatten ist das Zitat eines Trompe-l’oeil- Motivs.
Dann geht es natürlich um das klassische Thema des Aktbildes in der Malerei. Es wird hier noch zusätzlich betont durch den grossen Bildband NUS, französisch für Nackte, am Boden des Bücherstapels. Oben auf diesem Stapel liegt schliesslich das Tagebuch eines Malers, ein illustriertes Künstlerbuch, das Gertsch ein Jahr zuvor veröffentlicht hatte. Es ist eine humorvolle Abrechnung mit seinem Alter Ego, einem Maler in einer künstlerischen Krise, der letztlich scheitert und resigniert. Das Buch endet mit dessen Worten:
«Ich werde alles aufgeben, einen anderen Beruf ergreifen.»
Auch das Gemälde Der Schriftsteller links daneben ist ein Selbstporträt mit autobiografischen Zügen. Die flächigen Formen und grellen Farben weisen schon voraus auf die Pop-Art-Phase von Gertsch.