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Franz Gertsch (1930–2022)

109 - Huaa...!, 1969

Dispersion auf ungrundiertem Halbleinen,

Franz Gertsch AG

Franz-Gertsch_Huaa.jpg

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Nach der Begegnung mit der Pop Art in den 1960er-Jahren suchte Gertsch nach einem neuen Weg für seine Malerei. Und fand ihn in der Fotografie.

Hören Sie dazu die Kuratorin der Ausstellung Dr. Kathleen Bühler:

«In diesem Raum begegnen wir den ersten drei fotorealistischen Gemälden von Franz Gertsch. 1969 hat er entschieden, dass er nur noch mit Fotografien als Bildvorlagen arbeiten möchte – also nicht mehr mit Skizzen, sondern mit fotografierten Bildern – und hat zuerst einen Filmstill benutzt, einen Ausschnitt aus einem Historienfilm zum Krimkrieg, in dem eine aussichtslose Attacke geritten wird.

Damals wurde das als Kommentar zum Vietnamkrieg verstanden. Die zweite Bildquelle war die Aufnahme eines Journalisten aus dem Vietnamkrieg von 1970, welche verwundete amerikanische Soldaten zeigt, wie sie zusammengekauert in einer Gruppe daliegen. Und das dritte Gemälde, Junkere 37 bezeichnet eine Adresse in der Innenstadt von Bern. Dort haben junge Menschen, die sogenannten Nonkonformisten, über ein neues gesellschaftliches Ideal diskutiert.

Also ein Moment, in dem der gesellschaftliche Umbruch in Bern erprobt worden ist. Es sind drei Gemälde, die auch deshalb besonders hervorstechen, weil sie politische Gemälde sind. Es sind Werke, die je auch einen Kommentar zum weltpolitischen Geschehen in Vietnam oder zum lokalpolitischen Geschehen in Bern verkörpern.

Und das ist etwas, was man von Franz Gertsch gemeinhin nicht annimmt. Man kennt ihn als jemand, der sich eher mit ewigen Wahrheiten beschäftigt, mit der Schönheit, mit der Natur, auch mit der Kunstgeschichte. Aber damals hat er tatsächlich das Politische zu seinem Thema gemacht, hat es dann aber aufgegeben, weil er gemerkt hat, dass selbst das Bild mit den verwundeten Soldaten sein Publikum eher aufgrund der Machart interessiert als aufgrund des Inhalts.»

Das Gemälde Huaa…! zeigt den Schauspieler David Hemmings in dem britischen Kriegsfilm Der Angriff der leichten Brigade von 1968. Hemmings hatte bereits zwei Jahre zuvor die Hauptrolle in dem legendären Kultfilm Blow Up von Michelangelo Antonioni gespielt. Gertsch sah diesen Film zweimal im Kino und war tief beeindruckt. Es geht darin um die Rolle der Fotografie und ob die Vergrösserung, das Blow Up, zur Wahrheitsfindung beiträgt. Dieser Gedanke liess Gertsch nicht mehr los. Es wurde die Initialzündung für seine fotorealistischen Gemälde. Für ihn selbst war das der Beginn seines eigentlichen Werkes. Er gab dem Gemälde Huaa…! daher die Nr. 1 in seinem Werkverzeichnis.