Franz Gertsch (1930–2022)
110 - Vietnam, 1970
Dispersion auf ungrundiertem Halbleinen,
Hess Art Collection GmbH, Schweiz

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Auch für dieses Gemälde benutzte Gertsch ein Foto aus einer Zeitschrift als Vorlage, diesmal aus dem Life-Magazin. Es zeigt den Abtransport verwundeter amerikanischer Marinesoldaten auf einem Panzer. Das Bild des Fotografen John Olsen entstand 1968 während der Schlacht von Huế, einer der blutigsten Schlachten des Vietnamkrieges, und wurde zur Ikone der Antikriegsbewegung. Rückblickend sagte Gertsch:
«Im Herbst 1968 malte ich meine ersten naturalistischen Bilder nach Fotografien. Ich hatte begriffen, dass die Realität heute nur noch mit dem Fotoapparat festgehalten werden kann; denn der Mensch hat sich daran gewöhnt, die Fotowirklichkeit als Maximum an Wirklichkeitswiedergabe zu betrachten.»
Gertsch wendet hier wieder seine Blow-Up-Technik an. Er fotografiert das Bild aus der Zeitschrift ab und projiziert es als Dia vergrössert auf ein Leinentuch.
«Kennzeichnend war auch, dass ich die billigste Art zu malen gewählt hatte. Wir haben einfach Betttücher aufgespannt, und ich habe direkt, ohne Grundierung, mit Dispersion in diese Tücher gemalt. Das hat mich von Anfang an von den anderen Photorealisten und ihren Techniken unterschieden. Ich glaube, ich habe grössere Freiheit erlangt als die meisten amerikanischen Photorealisten. Sie waren auf den Gegenstand fixiert und wählten die Motive so, dass sie mit der Spritzpistole ‹abgearbeitet› werden konnten.»
Die Stilrichtung des Fotorealismus entstand Mitte der 1960er-Jahre in den USA, mit führenden Köpfen wie etwa Chuck Close. In Europa griffen Künstler wie Gerhard Richter oder Franz Gertsch diese Art der Malerei auf. Gemeinsam ist ihnen die Verwendung fotografischer Vorlagen, meist in Form von Diapositiven. Doch während die amerikanischen Fotorealisten vor allem ihre technische Perfektion zeigen wollten, suchte Gertsch mittels der Fotografie nach der Wahrheit in der Malerei. Sein Vietnambild bezeichnete er später als «Querschläger».
«Ich wollte mich politisch engagieren.»
Und musste dann doch feststellen…
«dass politisch engagierte Malerei nicht meine Sache ist.»