Franz Gertsch (1930–2022)
113 - Marina schminkt Luciano, 1975
Acryl auf ungrundierter Baumwolle,
Museum Ludwig, Köln / Leihgabe der Peter und Irene Ludwig Stiftung

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Das Bild Marina schminkt Luciano versetzt einen augenblicklich in die wilden 1970er-Jahre. Es zeigt den jungen Studenten Luciano Castelli rechts und seine Freundin Marina bei der Vorbereitung zu einer Party. Hören Sie dazu Dr. Kathleen Bühler:
«Von Luciano Castelli gibt es mehrere Porträts, die Franz Gertsch gemalt hat. Das war ein besonderes Zusammentreffen zwischen einem knapp zwanzigjährigen Kunststudenten und einem vierzigjährigen etablierten Maler, die sich in Luzern begegnet sind.
Franz Gertsch wurde von Jean-Christophe Ammann eingeladen, die erste Ausstellung bei der Wiedereröffnung des Kunstmuseums Luzern zu machen. Und Luciano Castelli wohnte mit Freunden in einer Wohngemeinschaft in einer heruntergekommenen Villa und lebte etwas, was man heute als eine Art genderfluide Utopie bezeichnen könnte.
Das waren junge Leute, die haben zusammen gefeiert, die haben sich geschminkt und inszeniert, und zwar über konventionelle Vorstellungen von dem, wie ein Mann oder eine Frau ausschauen muss, hinweg. Und Franz Gertsch durfte fast schon als Vaterfigur eintauchen in diese Welt. An drei Abenden hat er Fotografien gemacht, die er dann im Laufe der Jahre zu wunderschönen Gemälden geformt hat. Heute sind das die Ikonen der Jugendbewegung in der Schweiz.»
Die Fotografien zu den fünf hier gezeigten Gemälden entstanden in einer Villa an der Reckenbühlstrasse in Luzern, die Luciano von seinem Onkel zur Verfügung gestellt wurde. Auf all diesen Gemälden ist Luciano Castelli zu sehen. Gertsch war fasziniert von dem androgynen jungen Mann, der selbst angehender Künstler war und zum Szenestar avancierte. Auf insgesamt 13 Gemälden stellte er ihn dar.
Gertsch fotografierte die Szene abends mit Blitzlicht, wodurch die Farben besonders grell und leuchtend wirken. Die Effekte übersetzte er in eine fantastische, übernatürliche Farbigkeit. Er selbst meinte einmal:
«Aber die Freaks um Luciano Castelli haben ja gekifft, das ganze Psychedelische hat da reingespielt. Lustigerweise (…) hatten meine Bilder in ihrer übertriebenen Farbigkeit auch etwas Psychedelisches.»
Auch das Foto zum nächsten Gemälde entstand bei dieser Gelegenheit.