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Franz Gertsch (1930–2022)

114 - At Luciano's House, 1973

Acryl auf ungrundierter Baumwolle,

Privatsammlung

Franz-Gertsch_At-Luciano's-House.jpg

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Ein letzter Blick in den Spiegel. Perfekt gestylt sind die Drei fertig zum Ausgehen. In der Mitte Luciano in Schlangenlederstiefeln, langem Rock und Pelzjacke, rechts Marina mit Stars & Stripes-Bluse und Lederjacke, und links Barbara, die sich gerade noch das Hemd in die Hose steckt.

Mit unglaublicher Präzision und Hingabe hat Gertsch hier die unterschiedlichsten Stoffe minutiös wiedergegeben. Auch den Flokati-Teppich am Boden, das Parkett, die Blümchengardine am Fenster, den Schallplattenstapel, das Tablett mit den tausend Kleinigkeiten – jedes Detail ist ihm gleich wichtig.

«Die Szene erscheint natürlich und ungestellt, und die abgebildeten Personen sollen meine Anwesenheit als Fotograf in ihrem Verhalten nicht verraten,» notiert Gertsch in seinem Künstlerstatement Wahrnehmen – Sehen – Fotografieren – Auswählen – Malen von 1973. Darin beschreibt er die fünf Stationen im Entstehungsprozess seiner Bilder:

«Erleben mit allen fünf Sinnen. (…) Das Flüchtige festhalten. Leben einfangen. Die Wirklichkeit auf eine optische Ebene abstrahieren. (…) Bildvorlagen auswählen. (…) (…) Aus Hunderten von Dias wähle ich mein Bild (…). Mein Engagement? Gemaltes Leben. Die sinnliche Präsenz von Menschen, Dingen und Orten. Dem Betrachter das Bild aufzwingen.»

Die Bilder der 1970er-Jahre sind ein Spiegel der Zeit, von Drogen, Sex und Rock’n’Roll, Songs von Bob Dylan, Patti Smith oder den Rolling Stones. Gertsch selbst hört beim Malen oft Musik.

Wenn Sie übrigens in die Musik von damals eintauchen möchten, empfehlen wir Ihnen unsere Playlist auf Spotify. Sie wurde eigens für diese Ausstellung zusammengestellt und lässt den Beat der 1970er-Jahre aufleben.

Etwa ein Jahr braucht Franz Gertsch nun für ein Bild und malt täglich 8 Stunden. Diese immense Zeit, seine eigene Lebenszeit, schreibt sich in seine Bilder ein. Insgesamt 82 Gemälde umfasst sein eigenes Werkverzeichnis, erschaffen in 53 Jahren. So sagte er denn auch:

«Bilder (…) sind meine Biografie.»