Digital Guide

Franz Gertsch (1930–2022)

115 - Luciano I, 1976

Acryl auf ungrundierter Baumwolle,

Privatbesitz

Franz-Gertsch_Luciano-I.jpg

Transkript lesen

Dieses Bild zeigt den sonst so extrovertierten Luciano ernst und in sich gekehrt, in einem Moment der Ruhe, vor sich die Reste eines Abendessens. Gertsch hatte in der Dachkammer der Villa übernachtet und das Foto am frühen Morgen aufgenommen. Laut Castelli war die Party noch in vollem Gange, die Clique sass mit am Tisch. Doch Gertsch wählte für sein Gemälde ein Foto, auf dem Luciano alleine zu sehen ist. Ohne Pose, ohne Inszenierung, ganz in diesen einen Augenblick versunken. Gertsch macht daraus ein modernes Vanitas-Stillleben, ein Bild der Vergänglichkeit. Hören Sie dazu noch einmal Dr. Kathleen Bühler:

«Man taucht ein in diese WG und das Porträt von Luciano Castelli am Tisch berührt mich sehr. Zwar sind vor ihm all die Überreste mit Zigarettenstummeln, dreckigem Geschirr und ausgeleerten Weingläsern. Aber es ist da ein junger Mann, der nachdenklich in den Raum hineinschaut und eigentlich ein ewiges Sinnbild ist für die Fragilität der jungen Menschen, die auch heute noch nicht wissen, wo es hingeht, die noch nicht wissen, wie es weitergeht. Und Franz Gertsch hat das in einer so wunderbaren Weise festgehalten, dass sich das bis heute als etwas sehr Wahres erweist.»