Franz Gertsch (1930–2022)
117 - Gräser VIII, 2020
Eitempera auf ungrundierter Baumwolle,
Franz Gertsch AG

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«Ich habe die banalen Sujets, die ums Haus zu sehen sind, in einen Kosmos verwandelt. Die Natur hat mich umzingelt, und ich konnte nicht mehr ausweichen,» sagte Franz Gertsch zur Entstehung dieser Werke. Die Motive fand er direkt vor seiner Haustür, in Rüschegg in den Berner Voralpen. Dort, in einem alten Bauernhaus auf 900 m Höhe über Meer, in ländlicher Abgeschiedenheit, ist das Leben eng mit der Natur verbunden und inspiriert ihn zu neuen Darstellungen.
Gräser VIII ist die achte Variation eines einfachen Schattengrases, das er eines Tages in seinem Garten entdeckt.
«An einem Sommerabend im Jahr 1995 schlenderte ich durch unseren Garten auf der Suche nach einem neuen Motiv (…). Da sah ich am Wegrand ein Schattengras, das mich anhielt. Ich bückte mich und sah durch das Objektiv meiner Kamera einen Ausschnitt von vielleicht 40 x 40 cm. Ich sah in eine wunderbare Welt tanzender Gräser vor dunklem Hintergrund. Ich verschoss mit meiner Hasselblad alle zwölf Positionen. Als die Filme entwickelt waren, projizierte ich sie an die weisse Arbeitswand auf 4 x 4 m.»
Auch hier wendet er wieder das Blow Up an, das extreme Vergrössern des Motivs. Und führt uns so tief hinein in eine Welt, die wir mit unseren Augen allein kaum sehen würden. Diese Tiefe wird nun in dieser späten Variante durch das Blau noch verstärkt.
Das Gemälde Blauer Sommer ist ebenfalls eine Variation eines früheren Gemäldes, und zwar aus dem monumentalen Zyklus der Vier Jahreszeiten, den Gertsch etwa 10 Jahre zuvor gemalt hatte und in Burgdorf ausgestellt ist. Darin zeigt er in realistischer Farbgebung den immer gleichen Blick in ein Wäldchen hinter seinem Haus im Wechsel der Jahreszeiten. Während das Sommerbild daraus eine Symphonie in kräftigen Grüntönen ist, verdichtet Gertsch das Motiv in unserem Blauen Sommer bis zur völligen Undurchdringbarkeit.
Die blauen Bilder von Gertsch bewahren ein Geheimnis in ihren dunklen, unendlichen Tiefen, in die man nicht hineinsehen, nicht eindringen kann. Sie erzählen nichts mehr, sie sind einfach nur! Sie zeigen den Seinszustand der Natur, losgelöst von jeder Momenthaftigkeit. Sie zeigen Ewigkeit.
Am Ende seines Lebens erreicht Gertsch damit einen Zustand der tiefen spirituellen Versenkung.