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Franz Gertsch (1930–2022)

118 - Saintes Maries de la Mer I, 1971

Dispersion auf ungrundiertem Halbleinen,

Kunsthalle zu Kiel, Dauerleihgabe Stifterkreis Kunsthalle zu Kiel

Franz-Gertsch_Saintes-Maries-de-la-Mer-I.jpg

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Diese beiden Gemälde zeigen Roma-Mädchen im südfranzösischen Wallfahrtsort Saintes-Maries-de-la-Mer. Franz und Maria Gertsch waren 1971 dorthin gefahren, um die alljährliche Prozession für die Schutzpatronin der Roma und Sinti, die Schwarze Sara, zu fotografieren. Doch stattdessen fesseln Gertsch die am Strand spielenden Mädchen – eigentlich ein Nebenschauplatz. Er macht eine Reihe von Schnappschüssen. Daraus entstehen drei große Gemälde, von denen wir zwei hier zeigen.

Auf unnachahmliche Weise hat Gertsch diese Momente für die Ewigkeit festgehalten. Das Glitzern der Wellen in der Sonne, der nach einem Gewitter kristallklar leuchtende Himmel. Fast meint man das Rauschen des Meeres und den Wellenschlag zu hören, die salzige Luft auf der Haut und den nassen Sand unter den Füßen zu spüren. So lebendig ist das alles hier eingefangen. Und erneut erweist sich Gertsch wieder als grandioser Menschenmaler. Besondere Sorgfalt hat er auch hier auf die Wiedergabe der Haare verwendet – ein besonderes Faible von ihm. Bei den im Wind wehenden Haaren zeigt sich die ganze Virtuosität seiner Malerei.

Bemerkenswert ist, dass Gertsch für das Bild mit den vier Mädchen, die mit den Füssen im Wasser stehen, das Material wechselt: Zum ersten Mal benutzt er nun anstelle eines Halbleinengewebes einen Baumwollstoff als Malgrund.

«Anstelle der Betttücher verwendete ich ungrundierte Baumwolle (bekannt als Cotton Duck), welche ich bei einem Aufenthalt in New York (…) entdeckt habe. (…) Anstelle der Dispersionsemulsion benutzte ich den Edelbinder Acryl. (…) Das hatte zur Folge, dass es viel langsamer vorwärts ging. Die Farben wurden nicht so leicht aufgenommen wie bei den dünnen Leintüchern. Die dicht gewobene Baumwolle bot Widerstand. Ich musste die Farben mit abgestumpften Borstenpinseln auftupfen oder einmassieren. Das ‹slow painting› nahm seinen Anfang.»