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Franz Gertsch (1930–2022)

119 - Soufrière (Guadeloupe), 2012–2013

Eitempera auf ungrundierter Baumwolle,

Franz Gertsch AG

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Eva im Paradies – so könnte man diese drei Gemälde, die ein Triptychon bilden, auch nennen. Der Mensch als Teil der Schöpfung, natürlich und nackt, eingebettet in die Natur.

Die Fotografien hierzu entstanden 1985 auf einer Reise nach Guadeloupe, einer Insel in der Karibik. 15 Jahre später fertigt Gertsch einen monumentalen Holzschnitt von der im Sand liegenden Maria an. Und 10 Jahre später wiederum entsteht dieses Gemälde. Es ist eine Hommage an seine Frau Maria Gertsch-Meer, seine lebenslange Begleiterin, Beraterin und Mitarbeiterin. Wie eine nackte Venus erscheint sie hier in der Blüte ihrer Schönheit. Das lässt an berühmte Venusdarstellungen der Renaissance denken, etwa von Giorgione oder Tizian. Und Gertsch sagte von sich:

«Ich bin ein Maler mit unerreichbaren Renaissance-Visionen.»

Doch hier hatte er etwas anderes im Sinn.

«Werden – Sein – Vergehen»

Mit diesen Stichworten begann er die Arbeit an den drei Gemälden zum Guadeloupe-Triptychon, entschied sich dann aber, die Begriffe keinem bestimmten Bild zuzuordnen. Maria entstand als erstes und bildet das Zentrum. Dann folgte Bromelia – das linke Bild, am Schluss Soufrière – das rechte Bild. Insgesamt 2 Jahre arbeitete Gertsch an diesen Werken.

Er beschreibt darin den ewigen Kreislauf des Lebens von Mensch und Natur. Ganz entsprechend der tropischen Vegetation auf Guadeloupe. Dort existieren keine Jahreszeiten, alles wächst und vergeht und wächst wieder neu – gleichzeitig in einem ständigen Wechsel. Die rot blühende Bromelie im linken Bild ebenso wie die Farne und Mangroven im sumpfigen Unterholz des Regenwaldes, am Fuß des Vulkans Soufrière, im rechten Gemälde. Alles ist wilde, unberührte Natur.

Mit diesem Triptychon drückt Gertsch eine Weltsicht aus, die sich durch all seine späten Werke zieht und die Natur ins Zentrum rückt. Für Gertsch persönlich war aber seine Frau der Mittelpunkt seines Lebens.

«So wie Sofja Tolstaja die tägliche Lektorin ihres Mannes war, ist auch Maria zuverlässige Beurteilerin meines Tagwerks. Dies gibt mir Sicherheit.»

Fast 60 Jahre waren die beiden verheiratet. So ist dieses Triptychon auch eine Hommage an ihre lebenslange Verbundenheit und Hingabe.