Franz Gertsch (1930–2022)
120 - Pestwurz, 2014–2015
Eitempera auf ungrundierter Baumwolle,
museum franz gertsch, Burgdorf, Sammlung Dr. h.c. Willy Michel

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«Rings ums Haus spriesst manchmal schon im Januar die Pestwurz. Ein unbedeutendes Unkraut. Aber eines Morgens im Mai liegt auf ihren Blättern goldig-ockerfarbener Sahara-Staub. Da entdeckte ich die Schönheit der Pestwurz und erkor sie zur Akteurin meiner Holzschnitte.»
2014 übersetzt Gertsch das Bild der Pestwurz mit Saharastaub zum ersten Mal auch in Malerei. Dieses Gemälde sehen Sie hier. Seine Faszination für dieses Gewächs erklärt er so:
«Können Pestwurz, Gräser, Steine, Wasser Dinge meiner Sehnsucht sein? Vielleicht in dem Sinne, dass ich in ihnen geheimnisvolle Wesen sehe.»
«Die Pestwurz, das sind meine Freunde.»
Immer näher rückt er an die Pflanze heran, erkundet ihr Innerstes. Das zeigt auch ein weiteres Bild – Grosse Pestwurz von 2018, das Sie nachher noch zum Abschluss in der Treppenhalle sehen werden. Das Gemälde ist ein fantastischer Blick in den Mikrokosmos der Natur. Und könnte doch auch etwas völlig anderes sein. Etwa ein grüner Kontinent, mit Lebensadern, Höhen und Tiefen, gesehen vom Weltall aus. Genau das wollte Gertsch: im Kleinen den ganzen Kosmos zeigen.
«Es ist fast eine Art, wie sagt man, déformation professionnelle, dass der Maler alles, was er anschaut, eigentlich malt. Dann ist dieses Schauen natürlich auch ein Ausschauen nach einer Möglichkeit, das als Bild, als Ausschnitt aus dem Kosmos darzustellen.»
Schließlich geht er noch einen Schritt weiter und malt 2021 die Blaue Pestwurz als eines seiner letzten Bilder. Sie haben das Gemälde bereits im Blauen Raum gesehen. Gertsch blickt in die Tiefen der Natur und bleibt damit bis zuletzt auf der Suche nach dem, was – frei nach Goethe -, «die Welt im Innersten zusammenhält». Für die letzte Station unserer Audioführung gehen Sie nun bitte zu dem Meeresbild hier im Raum, das gegenüber vom Guadeloupe-Triptychon hängt.