Franz Gertsch (1930–2022)
116 - Blauer Sommer, 2020
Eitempera auf ungrundierter Baumwolle,
Franz Gertsch AG

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Diesen Anblick kann man nicht beschreiben! Diese monumentalen Gemälde in tiefstem Blau, versammelt in einem Raum, nehmen einen völlig gefangen!! Eine unvergleichliche, fast hypnotische, ja geheimnisvolle Wirkung geht von ihnen aus.
Sie gehören zu den letzten Werken von Franz Gertsch, die er im Alter von 90 Jahren gemalt hat. Mit einem besonders kostbaren Farbpigment, dem echten Ultramarinblau, gewonnen aus dem in Afghanistan abgebauten Halbedelstein Lapislazuli. Gertsch war fasziniert von der «einzigartigen Schönheit» dieser Farbe:
«Nachdem ich das erste Lapislazuli-Bild gemalt hatte, beschloss ich, einen blauen Raum zu verwirklichen – ein alter Traum von mir.»
Fünf Bilder malte er mit dem Lapislazuli-Pigment, drei davon sind hier zu sehen. Für das Gemälde Gräser VIII verwendete er sogar die hochwertigste Form, nämlich das nach einer alten Rezeptur hergestellte Fra Angelico-Blau. Benannt nach dem Maler der Frührenaissance, der es als Symbol des Göttlichen für den Mantel der Gottesmutter Maria einsetzte.
«Blau hat seine eigene Mystik,» befand auch Gertsch.
In diesen monochromen, also einfarbigen Gemälden spielen nun nicht mehr Menschen die Hauptrolle, sondern die Natur. Dabei wendet sich GertschThemen zu, die er zuvor jahrelang in Holzschnitten bearbeitet hatte – Gräser, Pestwurzen, Waldlandschaften – jeweils einfarbig gestaltet. Beispiele für diese Holzschnitte können Sie in der Ausstellung in Burgdorf sehen.
Gertsch ist 90 Jahre alt, als er sich mit diesen blauen Bildern noch einmal ein ganz neues Terrain erschließt. Im Jahr ihrer Entstehung 2020 sagte er in einem Interview:
«Allgemein gilt für meine Arbeit: ich suche immer wieder das Abenteuer, eine neue Herausforderung. Weil das Sujet mir sagt, wie es gemalt werden soll. Wenn ich ein Bild anfange, suche ich stets wieder den Anfängergeist.»