101 - Einführung

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«Ich begrüsse Sie ganz herzlich bei uns im Kunstmuseum Bern in der Ausstellung Franz Gertsch. Blow Up. Ein englischer Titel, der heisst: aufgeblasen, vergrössert, bezieht sich auf seine Technik und auf einen berühmten Film aus den 1960er-Jahren. Ich freue mich, Ihnen Franz Gertsch ausschliesslich als Maler zeigen zu können, als Maler, der in den 1950er-Jahren begonnen hat, in den 1960er-Jahren zum wichtigsten Vertreter des Fotorealismus in Europa geworden ist und bis in die 2020er-Jahre, also siebzig Jahre lang, ein Werk geschaffen hat.
Ein Werk, das, wie er selber sagt, sich im Spannungsfeld befindet zwischen Wahrheit und Realität. Und das ist heute eine Frage, die uns alle betrifft: Wenn uns die Fotografie ein Bild zeigt, ist das dann die Realität? Das war in den 1960er-Jahren noch sehr stark die Annahme und Franz Gertsch hat dem die Wahrheit der Malerei entgegengehalten.
Wie sieht es heute aus? Ist die Malerei wahrer als das fotografierte Bild? Malerei ist immer eine Fiktion, eine Erfindung. Ich kann abändern, wie ich möchte als Künstlerin. Wie hat das Franz Gertsch gehandhabt? Und wie kommt es, dass gerade heute uns seine Bilder wieder so ansprechen, die uns Pflanzen, Menschen als Wesenheiten zeigen, als monumentale Begegnungen? Diese wunderbare Erfahrung, die möchten wir mit Ihnen teilen.»
Sie hörten Dr. Kathleen Bühler, die Kuratorin unserer Ausstellung. Sie wird Ihnen im Laufe dieser Audioführung erzählen, was für sie persönlich die Faszination der Werke von Franz Gertsch ausmacht.
Der Schweizer Künstler starb 2022 im Alter von 92 Jahren. Unsere Ausstellung über sein Lebenswerk ist ein Gemeinschaftsprojekt mit dem museum franz gertsch in Burgdorf. Hier in Bern zeigen wir eine Auswahl von 37 Gemälden aus seinem Früh- bis zum Spätwerk. In Burgdorf können Sie die grossen Holzschnitte und Frauenporträts sehen.
Unser Audioguide wird Sie nun auf Ihrem Rundgang durch die Ausstellung begleiten. Er beginnt gleich hier in der Treppenhalle mit zwei überwältigenden, monumentalen Werken von Franz Gertsch.