Blick unter die Malschicht:
Den Berner Nelkenmeistern auf der Spur

Im Zuge der Ausstellungsvorbereitung konnten drei Altartafeln der Nelkenmeister und vier Tafeln eines Gerechtigkeitszyklus mit der neusten Infrarotreflektografie-Technik untersucht werden. Dabei durchdringt die Infrarotstrahlung (nahes Infrarot) die Malschicht und wird von der hellen Grundierung reflektiert. So kann ein für uns sichtbares Bild der Unterzeichnung generiert werden. Der Blick unter die Malschicht ist eine wichtige Grundlage für die Erforschung des Werkprozesses und des Erhaltungszustands – und kann wertvolle Hinweise für die Zuschreibung liefern.
Ob die Sichtbarmachung der Unterzeichnung gelingt, hängt von verschiedenen Faktoren ab: Die Aufnahmetechnik und die Aufbereitung der Bilddaten sind massgeblich für die Qualität. Die Pigmentierung und die Dicke der Malschicht bestimmen, wie gut die Infrarotstrahlung durchdringen kann. Das Zeichenmittel und die helle Grundierung müssen im Infrarot gut kontrastieren, damit die Unterzeichnung lesbar wird.
Die Methode fand in den 1930er-Jahren als sogenannte Infrarotfotografie Eingang in die kunsttechnologische Forschung und wurde kontinuierlich weiterentwickelt. Die im Rahmen der Ausstellung erfolgten Tests setzen mit neuster Aufnahmetechnik (Sensortechnologie und Optik) und aktueller digitaler Bilddatenverarbeitung einen neuen Qualitätsstandard.
Infrarotreflektografie mit Acuros® SWIR, IRR 850-1700/2100nm: Markus Küffner, Hochschule der Künste Bern
Auswertung und Text: Dr. Nathalie Bäschlin, Kunstmuseum Bern

1. Der Marienaltar

2. Der Johannesaltar
